Bei Dildo-King schlenderten wir interessiert durch die fabrikähnlichen Hallen und sie suchte sich die notwendige Utensilien für ihre ein- bis zweistündigen Sitzungen aus: Reitgerten mit langem Stil, damit sie gut in der Hand liegen, Umschnalldildos in verschiedenen Größen, ein Speculum, um den devoten Herren ihre Öffnung großzügig inspizieren zu können, Brustwarzenklemmen mit Gewichten, Gleitgel, Kondome im Großhandelspack und Peitschen in verschiedenen Ausführungen. Sogar eine Gasmaske für Atemkontrollspiele hatten sie hier vorrätig. Sie ging hochvergnügt von Regal zu Regal, packte zielsicher ihre präferierten Sexspielzeuge ein, die in nur wenigen Tagen die verschiedensten Männer in allerhöchste Wonnen versetzen sollten.
Die Einkaufstour war aber so schnell nicht beendet. Wir kauften bei Mango noch fünf schicke Kleidchen, in denen sie mal wie eine echte Lady aussah, mal wie ein schnuggeliges Kindchen. Bei C & A kaufte sie ihre geliebten halterlose Strümpfe mit Spitze. Unvergessen, wie sie mir bei unserem ersten Treffen gegenüber saß und so tat, als ob rein zufällig ihr Minikleid nach oben gerutscht werde und ich zwischen ihre Beine sehen konnte, wobei mir zunächst diese erotischen Spitzenstrumpfansätze die Augen aus dem Kopf zu sprengen drohten. Ja, und dann hatten wir fast alles zusammen bis auf eine Kleinigkeit, die bei so vielen Frauen den Schrank zum Platzen bringt: Stiefel und Schuhe. Zielsicher steuerte sie die teuersten Marken an, freundlich wurden wir bedient. Ob die Verkäuferin aufgrund ihres selbstsicheren Auftretens wohl ahnte, dass an diesen und jenen Paar Stiefeln schon wenige Tage später nackte Männer dran lec
ken würden?
Eine unauffällige Sozialbauwohnung hatte ich bereits für ihre Zwecke gemietet, Anzeigen geschaltet und es wunderte mich dann doch ein wenig mit welchem Enthusiasmus sie sich an die Arbeit machte. Sie machte die Männer in langen Telefongesprächen heiß und erfragte immer ganz genau ihren Fetisch, ihre Phantasie, ihre sexuellen Träumereien. Sie verstand es großartig, sich in die Männerhirne hinein zu versetzen und ihnen genau das zu geben, wonach sie dürstete. Sie entwarf im Kopf regelrechte Inszenierungen, hatte einen unglaublichen Spaß eine perfekte Rolle vor ihren Männern zu spielen. Nein, nicht irgendeine Rolle, genau die Rolle, die die Männer sich erträumten. Aus dieser billigen Sozialbauwohnung ging jeder mit weichen Knien hinaus, manche ließen - trotz ihrer üppigen Honorarforderung - noch ein Trinkgeld da, aber wirklich alle bedankten sich überschwänglich per e-mail für das einmalige Erlebnis. Diese Zustimmung ihrer männlichen Klientel befriedigte sie, noch mehr befriedigte sie das viele Geld, was sie damit in nur wenigen Wochen verdiente. Ihr geplanter Urlaub war nun finanziell gesichert.
Von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr war sie die strenge Domina, die einem Krawattenträger erst den Hintern rot schlug, dann seinen Hintern mit Rheumacreme einschmierte, damit er auch noch lange an sie erinnert wurde. Dieser Kunde schrie tagsüber seine Mitarbeiter an und hatte immer alles in seiner Umgebung unter Kontrolle. Jetzt, bei ihr, wollte er endlich einmal die Kontrolle abgeben. Nicht er wollte Macht ausüben, er wollte sich selbst hilfslos, ohnmächtig und gedemütigt fühlen. Und diesen Wunsch erfüllte sie ihm nur zu gerne. Am Ende wurde er mit ihrem dicksten Umschnalldildo ge****t und er kam insgesamt drei Mal während der zweistündigen Sitzung. Sie hatte noch bei keinem Mann ein Problem gehabt, seinen kleinen Anhängsel in schnellster Zeit erneut in Königsstellung zu bringen. Sie hatte stets alles unter die Kontrolle, sie war die unangefochtene Chefin im Raum. Sie ließ niemals Berührungen der Herren bei sich zu; nicht im Traum hätte sie Geschlechtsverkehr zugelassen. Gut durchblutet am Gesäß, voller guter Gefühle im Kopf und mit erleichtertem Portemonnaie verließ an diesem Nachmittag der Unternehmenslenker ihre billige Wohnung, die für ihn in der Zeit ihres Beisammenseins zum Palast der Lüste geworden war. Nun war er bereit, die Infamitäten des Alltags weiter zu ertragen. Und sie hatte einfach nur Hunger und ruf mich an.
Wir aßen und tranken reichlich, wir lachten über ihre gerade gemachten Erlebnisse und lachten doch niemals ihre Kunden aus. Was für ein großes Geschenk es doch sei, wenn man es nur verstünde seine Leidenschaften auszuleben. Und das einem sein Fetisch, den man einmal so perfekt habe ausleben dürfen, mit ziemlicher Sicherheit ein Leben lang im Griff haben dürfte, man davon abhängig ist und sich immer wieder nach der Erfüllung sehnt, sodass man wie ein Süchtiger die sexuelle Befriedigung lebensnotwendig einfach brauchte, davon lebe sie eben: von den Sex-Süchtigen, die ihre Staummkunden waren und die ihr garantierten, hier in diesem Lokal das teuerste Essen und den teuersten Wein zu konsumieren und dabei nicht mal mit der Wimper zu zucken. Sie führte das glücklichste Leben der Welt, was sie verdient zu haben schien, da sie keine glückliche Kindheit hatte, aber dafür bereitete sie den Herren, die ihre billige Behausung betraten auch das Glück auf Erden - für zwei Stunden. Danach waren sie hart genug durchgeprügelt, sodass ihnen die Schläge des Alltagslebens nichts mehr anhaben konnten.