Im Berliner Congress-Center findet alljährlich die Aktionärsversammlung eines großen Zeitschriftenverlages ab. Um die Aktionäre aufgrund der fallenden Kurse vor der Versammlung etwas milde zu stimmen und für Entspannung zu sorgen, ist Sylvia engagiert worden. Sie bietet im großen Foyer den zweifacher W*chs-Service an - eine Spezialität, die sonst nirgends auf der Welt feilgeboten wird.
Sylvia steht in bekannt aufreizender Montur mit Schuhputzzeug, einem Schemel zum Sitzen und diversen Bürsten, Schwämmen, Lappen und Schuhcreme bereit. Sie ist dafür eingeteilt, den Herren Aktionären ihre Herrenschuhe zu wichsen (übrings kommt daher tatsächlich das Wort Wichsen, vom Schuhew*chsen, durch die schnelle Hin- und Herbewegung, die beim Blankreiben der Schuhe ausgeführt wird).
Die interessierten Herren setzen sich also nun auf den Schemel und Sylvia kümmert sich fürsorglich um das Wohlergeben ihrer edlen Herrentreter. Die Aktionärsschuhe werden mit Schuhcreme geputzt, danach wie wild blitzend und strahlend gewichst. Und da Schuhe ja eines der markantesten Statussymbole sind, stärkt Sylvia durch das Schuhew*chsen so ganz nebenbei auch das Selbstbewusstsein der finanziell potenten Männer.
"Sagen Sie", fragt der erste Herr nach erfolgter Schuhreinigung von Sylvia, "hier auf ihrem Werbeschild ist vom zweifachen Wichs-Service die Rede; was ist denn damit gemeint?" Sylvia hat die Frage natürlich erwartet. Sie dirigiert den noch unwissenden Mann in einen nicht einsehbaren Garderobenbereich, streckt ihr linkes Bein kokett in seine Richtung und sagt: "Ist doch wohl klar Meister, gerade hab ich es dir besorgt, jetzt kannst du es dir besorgen." Entschuldigen Sie, antwortet der irritierte Herr, ich verstehe Sie glaube ich nicht. "Also", Sylvia holt tief Luft und erklärt es diesmal mit anderen Worten, "gerade hab ich ihnen ihre Schuhe gewichst und jetzt dürfen Sie mir auf meine Stöckelschuhe wichsen. Das ist mein zweifacher Wichs-Service. Haben Sie Interesse?" Das lässt sich unserer Herrenbeschuhter nicht ein drittes Mal sagen und erarbeitet seinen besten Freund in der Hose zum Finale. Das Ergebnis seiner W*chsbemühungen kommt auf den spitzen, schwarzen Damenschuhen von Sylvia prächtig zur Geltung.
Schnell wie die Feuerwehr spricht sich dieser einmalige Service in Aktionärskreisen rum, und Sylvia kommt bei all dem Gew*chse ganz schön aus der Puste. Am Ende der Versammlung kommt der gesamte Vorstand noch vorbei, um sich von Sylvias Service eine eigene Meinung zu bilden. So ausgiebig wie heute wurden Sylvias heißen Stöckelschuhe wirklich noch nie mit Wichse verwöhnt.